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    Wir machen nicht nur Höhe.

    wir machen Gänsehaut

    von Volker Mittmann

    Der in Kiel auch als „der Wassermann” bekannte Geschäftsmann Christoph Laloi erlebte 1990
    seine erste Ballonfahrt während der Warsteiner Montgolfiade. Diese mittlerweile größte Ballon-Veranstaltung in Europa begann 1986 mit 30 Teams. Heuer sind fast 300 Ballone gemeldet.
    1997 absolvierte Laloi die Ausbildung zum Piloten und fährt seitdem in Kiel und Umgebung.
    In den Wintermonaten geht es für ihn meist nach Österreich und zum Saisonschluss im Oktober nach Albuquerque/New Mexico.

    Christoph Laloi fährt derzeit den Fair Play Wärme Ballon. Gemeinsam mit dem
    Luftfahrtunternehmer Thomas Oeding veranstaltet Laloi im Sommer 2007 das erste
    Ballonfahrertreffen der Kieler Luftfahrtgeschichte.

    Volker Mittmann: Als erstes kommt die beliebte „Abseitsfrage“: Kannst Du mit einem Satz erklären, wie man einen Ballon steuert?

    Christoph Laloi : Steuern und erklären in einem Satz ist beides kaum möglich. Man kann lediglich eine geringe Kurs-Korrektur durch das Verändern der Höhe vornehmen. Je höher man fährt, desto weiter geht es auf der nördlichen Halbkugel nach rechts. Außerdem können in unterschiedlichen Höhen unterschiedliche Winde vorherrschen. Auch aus diesem Grund muss die Fahrt sehr gewissenhaft geplant werden: Zur Landung dürfen kein Wasser, keine Gebäude oder andere Hinderungsgründe im Wege sein. Ansonsten landet man dort, wo man hinfährt. Dabei versuchen wir jedoch keinen Flurschaden oder dergleichen zu verursachen. Wir nutzen meist abgemähte Felder oder Wiesen zum Landen. Man kann nicht mit dem Ballon gezielt von Kiel nach Malente fahren, aber die grobe Richtung schaffen wir schon.

    VolkerMittmann: So kenne ich Dich, Christoph, das waren gleich 10 Sätze. Wie wird man Ballonpilot?

    Christoph Laloi : Durch eine Ausbildung und Erwerb der Privatpilotenlizenz (PPL). Die Ausbildung umfasst eine theoretische Schulung in den Fächern Meteorologie, Navigation, Luftrecht, Technik und Verhalten in besonderen Fällen sowie einer praktischen Ausbildung mit 20 Stunden. In dieser Zeit müssen mindestens 50 Starts und 50 Landungen absolviert werden.

    Volker Mittmann: Warum sieht man mittags keinen Ballon am Himmel? Sitzt Ihr so lange beim Essen?

    Christoph Laloi : Mittags herrscht meist eine starke Thermik, d.h. der Ballon kann nicht kontrolliert landen. Deswegen sieht man Ballone nur zwei Stunden nach Sonnenaufgang – bis die Thermik einsetzt – oder zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Wenn die Segelflieger landen, beginnt unser Wetter.

    Volker Mittmann: Wie hoch kann ein Heißluftballon steigen?

    Christoph Laloi : Ein Standardballon ist zugelassen bis 8.000m, jedoch gibt es in der Luftfahrt Räume wie im Straßenverkehr. Für Sichtflieger gilt Luftraum C“ mit ca. 3000 m Höhe als Begrenzung. Es gibt auch Ausnahmen, aber die müssen angemeldet werden.

    Volker Mittmann: Ist Ballonfahren ein Team- oder Einzelsport?

    Christoph Laloi : Ein absoluter Teamsport. Ich benötige mind. 2-3 Leute zum Aufrüsten eines Ballons und natürlich einen Verfolger. Das sogenannte Erdferkel muss uns am Landeort wieder in die Arme schließen.

    Volker Mittmann: Und Sektchen bringen! Wo warst Du schon zum Ballonfahren?

    Christoph Laloi : Sei es die Ballon-Magie in Magdeburg, die Warsteiner Montgolfiade, der Winterzauber in St. Johann oder das größte Ballonfahrertreffen der Welt in den USA. Alle Erlebnisse sind einmalig. Mit 1000 Ballonen den Himmel zu teilen, wie in Albuquerque oder im Winter in den Alpen, ist einzigartig. Mein schönstes Erlebnis war jedoch die Alpenüberquerung mit meinem Freund Thomas Oeding im Januar 2000. Von St. Johann ging es bis nach Italien an die slowenische Grenze. Den Reisebericht kann jeder lesen unter www.thomsballonreisen.de. In fast 6000 m Höhe den Alpenhauptkamm zu überqueren und ein Teil dieser bizarren wunderschönen Welt zu sein, war ein Rausch für die Sinne.

    Volker Mittmann: Welche Ballonform ist die verrückteste, die Du je gesehen hast?

    Christoph Laloi : Die Creamland Kuh, der Orient Express, das Space Shuttle oder die Harley Davidson. Es gibt nichts was es nicht als Ballon gibt. Mir gefällt der Orient Express mit einer Länge von 44 m am besten. Dieser Wahnsinn wird auch in Kiel zur Ballon Sail am Start sein. Unter www.wim.de oder www.ballonfan.de kann man diverse Special Shapes sehen. Das Brandenburger Tor wird ebenfalls in Kiel zu Gast sein.

    Volker Mittmann: Welchen Passagier/Gast wirst Du nie vergessen?

    Christoph Laloi : Da gibt es einige! Da war der bekannte Radio-Moderator, der im Korb mit Eicheln beschossen wurde, weil die Hülle sich über den Baum gelegt hatte. Oder im vergangenen Jahr der Schauspieler Wolfgang Fiereck in New Mexico, der im Korb gedreht hat. Meine 90-jährige Segelfliegerin aus Malente hat mich am meisten beeindruckt, zumal sie sich explizit eine flotte Landung gewünscht hatte.

    Volker Mittmann: Bring doch bitte mal folgenden Satz zu Ende: Ballonfahren ist für mich . . .

    Christoph Laloi : . . . die Erfüllung eines Kindheitstraumes: Im Baumhaus zu sitzen und den Wolken nachzuhängen, wie Pippi Langstrumpf im Ballon zu reisen oder als Karlsson über den Dächern zu schweben. Jede Fahrt ist ein kleiner Kurzurlaub, ein Moment dem Alltag zu entfliehen, einfach ein großes Glück. Ballonfahren ist das schönste für mich,  neben dem Leuchten in den Augen meiner Gäste.

    Volker Mittmann: Die 1. Internationale Balloon Sail bringt Kiel . . .

    Christoph Laloi : . . . ein großes Event, eine tolle Veranstaltung mit einem Rahmenprogramm, das seines Gleichen sucht. Und natürlich noch mehr internationales Flair für eineLandeshauptstadt. Der Blick aus dem Ballon auf die Hörn, wo die Kreuzfahrer liegen oder in die Weiten der Kieler Bucht sind nur zwei neue Sichtweisen, die wir auch der Kieler Woche damit bringen. Wir erschließen dieser einzigartigen Segelveranstaltung eine neue Dimension. Keine weitere Naschibude“ oder noch eine neue Show-Bühne. Wir etablieren mit dem Nordmarksportfeld einen ganzen Veranstaltungsort neu. Wer hat jemals ein Night-Glow erlebt? Leuchtende Ballone in der Nacht. Wir machen nicht nur Höhe. Wir machen Gänsehaut.

    Volker Mittmann: Auf eine Ballonfahrt würde ich nie gehen, ohne . . .

    Christoph Laloi : . . . meine Ballonfahrerschuhe und meine Ballonfahreruhr. Letztere hatte ich schon einmal verloren und nur durch viel, viel Glück wieder bekommen.

    VolkerMittmann: Unter Ballonfahrern ist es total verpönt . . .

    Christoph Laloi : . . . vom Ballonfliegen zu sprechen.

    Volker Mittmann: Das Peinlichste, das ich je in einem Vorgartenvon oben gesehen habe, war . . .

    Christoph Laloi : . . . im Vorgarten ist die Welt meistens in Ordnung, aber im vermeintlich Sichtgeschützten tut sich einiges! Der Kavalier schweigt diesbezüglich . . .

    Volker Mittmann: Vielen Dank für das Interview. Gibt es eigentlich so etwas wie einen Hals- und Beinbruch-Gruß für Euch Heißluftballon-Piloten?

    Christoph Laloi : Glück ab und gut Land

    Volker Mittmann: . . . wollte ich gerade sagen!

     






 

 

 

 

                  

 

 

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