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    Interview mit

    Thomas Oeding

    von Volker Mittmann

    Thomas Oeding ist Berufsballonpilot und betreibt seit 1998 ein Luftfahrtunternehmen mit Heißluftballonen (Thomas Ballonreisen) in Kiel. 1991 erwarb er die Pilotenlizenz, ist seit 1995 Freiballonlehrer und hat mehr als 1500 Stunden in Ballonkörben verbracht.

    Internationale Erfahrung sammelte Thomas Oeding unter anderem in den USA, Japan, Namibia und auf Ballonfahrertreffen europaweit. Weiteres Highlight war seine dritte Alpenüberquerung im Januar 2000. Zurzeit fährt sein Unternehmen mit 5 Ballonen (Wandmaker, R.SH, Nospa, Stadtwerke Flensburg, Stoll Haus) in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Rheinland.

    Volker Mittmann: Warum darf man eigentlich nicht Ballon“ fliegen“ sagen?

    Thomas Oeding: Man darf schon! Kostet nur ’ne Runde. Wer eine Ballonfahrt mitgemacht hat, ist geadelt und in die Geheimnisse der Luftschifferei eingeweiht. Schiffe fahren auf dem Meer und Ballone fahren im Luftmeer. Es ist also eine verbal historische Begründung.

    Volker Mittmann: Ist Schleswig-Holstein eigentlich ein Ballonfahrerland oder muss man doch etwas mehr in die Schlechtwetterkasse einzahlen?

    Thomas Oeding: Vor 20 Jahren war man noch der Meinung Ballonfahren nördlich der Elbe sei ausgeschlossen. Nun sind wir Mannen hier oben angetreten, das Gegenteil zu beweisen. Man muss hier schon mit den spezifischen Gegebenheiten wie Seewind oder Seenebel umgehen können und lernt nie aus.

    Volker Mittmann: Wieviele Starts und Landungen machst Du im Jahr?

    ThomasOeding: Eine interessante Frage. Starts bis zu Hundert und na ja, nicht jede Landung gelingt vielleicht beim ersten Mal, also ein paar mehr. Ich versuche natürlich immer eine Landefläche zu finden, die Rückholer und Landowner freundlich ist.

    Volker Mittmann: Jeder Schleswig-Holsteiner weiß, was für ein Völkchen die Segler, Reiter oder Handballer sind. Wie ist denn so der Ballonfahrer drauf?

    Thomas Oeding: Der gemeine Ballonfahrer ist leicht neurotisch veranlagt, was heißen soll: Ein wenig selbstherrlich, neigt daher zur Selbstdarstellung, über den Dingen schwebend, überwiegend amüsant und lebensbejahend.
    Manchmal ein Einzelkämpfer mutiert er auf Ballonfahrertreffen zum Herdentier. In der Luft der uneingeschränkt weltbeste Ballonpilot duldet keinen Heizer neben sich, und nach dem Landefest ein wenig selbstverloren an einem Glas Sekt schlürfend sehnt er sich schon nach der nächsten großen Luftnummer.

    Volker Mittmann: Von Deinem Psychologie-Studium hattest Du gar nichts erwähnt! Stimmt es, dass es an Bord kein Schwindelgefühl gibt?

    Thomas Oeding: Ja das stimmt. Die drei Befürchtungen: Schwindelgefühl, Kälte und Schaukelei treten nicht ein.

    Volker Mittmann: Deine schönsten Events und Erlebnisse im Korb?

    Thomas Oeding: Drei Hochzeiten (und kein Todesfall). Mit Standesbeamtin oder sogar einem Pfarrer, der erst einmal in der Luft daran erinnert werden musste, warum er im Ballonkorb steht. Rührend sind auch immer die Heiratsanträge oder wenn Omi zum 80-zigsten in die Luft geht.
    Frau Simonis hat auch schon vor mir gekniet, wer erlebt so etwas schon. Anekdoten dieser Art findet man auf www.thomasballonreisen.de in der Rubrik Impressionen.

    Volker Mittmann: Tauschen Fahrer bei größeren Events eigentlich auch mal ihre „Geräte“?

    Thomas Oeding: Normalerweise gibt man den eigenen Ballon nicht aus der Hand. Es soll aber Einzelfälle gegeben habe, bei denen Piloten nach einem ausgiebigen abendlichen Landefest zur Frühfahrt flehentlich um einen Piloten ersucht haben.

    Volker Mittmann: Wie hoch bist du schon gefahren? Wo sind Deine persönlichen Grenzen beim Ballonfahren?

    Thomas Oeding: Die max. Höhe bei einer Alpenüberquerung waren 7500m über dem Meeresspiegel. Da oben war es nicht nur 165km/h schnell, sondern insbesondere bitterkalt. Die Grenzen werden immer neu erfahren.
    Eine Long-Distance-Fahrt von Kiel nach Schweden würde mich reizen, eine Weltumrundung nicht.

    Volker Mittmann: Was hört man da oben eigentlich außer dem Abfeuern des Brenners?

    Thomas Oeding: Das Abfeuern der Musketen der Jägerzunft und viele weitere Geräusche, die man so nicht erwartet. Vor allem erstaunlich klar und deutlich.

    Volker Mittmann: Auf deiner Internetseite steht, dass sich die wechselnden Perspektiven auch besonders gut zum Fotografieren und Filmen eignen, darf man das eigentlich?

    Thomas Oeding: Seit dem der kalte Krieg vorüber ist und das Ausspähen militärischer Anlagen über Satellit einwandfrei funktioniert, ist die Erlaubnispflicht für nicht kommerzielle Fotografie aufgehoben.

    Volker Mittmann: Bring bitte mal folgenden Satz zu Ende: Ballonwerbung ist besonders vielseitig, weil . . .

    Thomas Oeding: . . . der Ballon eine gigantische Werbefläche darstellt und ein Eyecatcher mit hohem Sympathiewert ist.

    Volker Mittmann: Die 1. Internationale Balloon Sail in Kiel bedeutet für Dich ganz persönlich . . .

    Thomas Oeding: . . . eine große Herausforderung, in Kiel die erste Luftfahrtveranstaltung dieser Art ins Leben zu rufen und für die Zukunft zu etablieren.

    Volker Mittmann: Die Firma Thomas Ballonreisen zeichnet sich besonders aus durch . . .

    Thomas Oeding: . . . ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, Professionalität und Flexibilität.

    Volker Mittmann: Gibt es einen unerreichbaren Traum-Ort, an dem Du gerne mal landen würdest?

    Thomas Oeding: Ja, auf einem Kreuzfahrschiff, um mit der Liebsten die nächste Reise anzutreten. Wäre das nicht schön?

    Volker Mittmann: Ja, man reiche mir ein Taschentuch! Ich schluchze Dir ein
    „Dankeschön“ entgegen.






 

 

 

 

                  

 

 

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